20. August 2007
Michelle geht nun (doch) zur Schule
Michelle ist ein aufgewecktes, selbstbewusstes und fröhliches Mädchen aus Schürdt. Ab dem 21.08.2007 wird sie die erste Klasse der Grundschule in Flammersfeld besuchen.
Dies wäre eigentlich nichts besonderes, wäre da nicht dieser Luftröhrenschnitt, der bei einer Operation unter anderem einer Kehlkopferweiterung im März diesen Jahres in Köln notwendig wurde und der ihr Leben und das ihrer Familie veränderte. Nun ist es so, dass Michelle mehrmals täglich mit Hilfe eines speziellen Absauggerätes immer wieder abgesaugt werden muss, wenn beispielsweise ihre im Hals liegende Kanüle verstopft ist. Dies passiert immer wieder in unregelmäßigen und nicht im Voraus planbaren Abständen, besonders häufig während der Erkältungszeit. Ohne das Absaugen würde sie ersticken, da sie den Schleim in den überwiegenden Fällen nicht selbst abhusten kann. Und auch ansonsten muss auf Michelle geachtet werden, da sie vieles nicht kann oder darf, sich grundsätzlich nicht überlasten soll und somit beispielsweise Purzelbäume schlagen oder im Sand spielen nicht erlaubt ist. Dies fällt Michelle sehr schwer, da sie ein sehr fröhliches und lebhaftes Kind ist.
Zu Hause übernehmen die Eltern mit der Unterstützung eines auf die Pflege von Kindern spezialisierten und dem Elisabeth-Krankenhaus in Neuwied angeschlossenen Pflegedienstes, dem Lisa Mobil, die Betreuung von Michelle. Wie sollte dies aber jetzt in der Schule gesichert werden?
Dass Michelle nun doch zur Schule geht, verdankt sie der aktuellen Gesundheitsreform und vielen Menschen, die sie unterstützen.
Der Bundestag hat am 02. Februar dass Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. Darüber ist in den Medien viel und sehr kritisch berichtet worden. Michelle hat es geholfen, dass dabei in den § 37 des Sozialgesetzbuches (SGB) V — der gesetzlichen Grundlage der Krankenkasse — eingefügt wurde, dass die so genannte häusliche Krankenpflege oder Behandlungspflege auch bewilligt werden kann, wenn sie beispielsweise im Rahmen des Schulbesuches notwendig wird.
Diese Einfügung ermöglichte es nun der AOK in Altenkirchen, der Familie schnell und unbürokratisch, die Begleitung von Michelle während des Unterrichts in der Grundschule durch einen dafür zugelassenen Pflegedienst aus Altenkirchen zu bewilligen. Dies gilt nun erst einmal bis zum Jahresende. Danach wird geprüft, ob weitere Hilfen notwendig sind. Weiterhin erklärte sich die für Michelle zuständige Grundschule in Flammersfeld schon nach der ersten Anfrage der Familie spontan bereit, Michelle mit dieser Begleitung aufzunehmen und die hohe Verantwortung mit zu tragen.
Zum glücklichen Ende hat auch die umsichtige Moderation der vielen Bemühungen um Michelle durch den Landtagsabgeordneten Dr. Peter Enders aus Eichen und Herr Josef Zolk, Bürgermeister der VG Flammersfeld beigetragen. Nicht zuletzt ermöglichen auch die Angebote des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Kreis die nun gefundene Lösung; die intensive Begleitung der Familie durch die Beratungsstelle des HIBA e.V. in Wissen, die Unterstützung durch den VdK in Altenkirchen und die schnelle und flexible Übernahme der täglichen Begleitung durch den Pflegedienst FAUNA ebenfalls in Altenkirchen.
So hat Michelle nun viele Paten, die sie auf ihrem Weg in die Grundschule begleiten und sich mit ihr und ihrer Familie zusammen über den Schulanfang freuen; Herrn Dr. Peter Enders Mdl, Herrn Edgar Holzapfel – Vertriebsleiter der AOK in Altenkirchen, Jutta Flammersfeld, die Schulleiterin der Grundschule in Flammersfeld, Herrn Josef Zolk – Bürgermeister der VG, Herrn Horst Müller – Kreisgeschäftsführer des VdK in Altenkirchen, Schwester Ludmilla – die Pflegedienstleitung der FAUNA und Christof Weller, Mitarbeiter der Beratungsstelle des HIBA in Wissen.
Übrigens gibt es auch keine Förderschule, die eine solche Behandlungspflege – wie das Absaugen hier – als zusätzliche Hilfe für kranke oder Kinder mit Behinderungen bietet.

Michelle freut sich auf ihren ersten Schultag.