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Berichte

Praxisbericht

Daniel ist immer dabei — ein Junge mit Down-Syndrom geht seinen Weg

Menschen mit Behinderungen können ein erfülltes und normales Leben führen, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, ihr Potenzial in einer offenen und liebevollen Umgebung zu entfalten. Die Geschichte von Daniel Gnewtschinski aus Etzbach macht dies mehr als deutlich und ist zugleich ein Plädoyer für die Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen.

Daniel lächelt. Es ist das Lächeln eines kleinen Jungen. Als Daniel im Juni 1999 als erstes Kind seiner jungen Eltern zur Welt kommt, diagnostizierten die Ärzte Trisomie 21 — auch „Down-Syndrom“ genannt. Anfangs war die Verzweiflung und Traurigkeit der Eltern groß. Sie fragten sich, wie das Leben mit einem behinderten Kind in Zukunft aussehen wird und wussten nur wenig über die Auswirkungen der Behinderung. Glücklicherweise begegneten den Eltern Menschen, die ihnen für das gemeinsame Leben mit ihrem Kind Mut machten. Sie spürten schnell, dass sie die Liebe für ihren Sohn auf vielfältige Art und Weise von ihm zurück bekamen. Seine Fröhlichkeit und Lebenslust steckte sie an und die pädagogische Begleitung ihres Kindes zeigte ihnen, was Daniel alles lernen kann. „Daniel soll so normal wie möglich aufwachsen und von seinen Mitmenschen akzeptiert und respektiert werden.“, erklären seine Eltern heute.

Gemeinsam spielen, lernen, leben

Mittlerweile hat Daniel noch einen jüngeren Bruder und es war an der Zeit einen geeigneten Kindergarten für ihn zu finden. In direkter Nachbarschaft der Familie befindet sich der Dorfkindergarten. Daniel und seine Eltern lernten den Kindergarten an „Schnuppertagen“ kennen. Schnell wurde ihnen und den Erzieherinnen klar, dass dieser Kindergarten der Richtige ist. Um seiner Behinderung gerecht zu werden, wurde er während seiner gesamten Kindergartenzeit von einer geschulten Integrationshelferin des HIBA e.V. in Wissen begleitet. Das Kindergartenteam eignete sich notwendiges Fachwissen an, um Daniel — wie alle anderen Kinder auch — entsprechend zu fördern und zu fordern. Ein regelmäßiger, offener Austausch mit den Therapeuten, dem Kindergartenteam, Eltern und dem HIBA wirkten sich dabei sehr positiv auf Daniels Entwicklung aus. Aber nicht nur Daniel profitierte vom gemeinsamen Spielen und Lernen im Kindergarten. Auch die Kinder ohne Behinderung erkannten, dass Daniel viel zu geben hat. Mit seiner Fröhlichkeit bereicherte er den Kindergartenalltag. Besonders seine sozialen Fähigkeiten machten ihn bei den Kindern sehr beliebt. In der Puppenecke war er beispielsweise immer ein begehrter Spielpartner.
Als er gelernt hatte, die Toilette zu benutzen und er keine Windel mehr benötigte, freuten sich die Kinder mit ihm über diesen großen Erfolg — ein Meilenstein in seiner Entwicklung. Im Zusammenleben mit Daniel konnten die Kinder auf sehr eindrucksvolle Weise lernen, was Rücksichtnahme im Umgang mit einem Menschen mit Behinderung konkret bedeutet. Bei Spaziergängen mussten sie beispielsweise häufig auf ihn warten und nicht immer konnten sie seine Aussprache verstehen. Sie mussten konzentriert zuhören wenn Daniel mit ihnen sprach. Gerade dieses miteinander Reden brachte die sprachliche Entwicklung von Daniel erheblich voran. Zu Beginn seiner Kindergartenzeit sprach er nur ungern einzelne Worte und diese nur schwer verständlich. Seit der Kindergartenzeit macht Daniel jedoch große sprachliche Fortschritte. „Durch unsere Begleitung und Unterstützung in der Nähe seines Wohnortes haben wir Daniel und die Kinder im Kindergarten auf weitere gemeinsame Lebenswege in der Schule vorbereitet.“, erläutert Michaela Stürmer, die anleitende Fachkraft in der Integration von Daniel.

Foto: Daniel im Unterricht
Voneinander lernen: Wenn alle Kinder von Anfang an gemeinsam lernen und leben, ist ein echtes Miteinander ohne Vorurteile zu erreichen.

Die erfolgreiche Kindergartenzeit ermutigte die Eltern, den integrativen Weg ihres Sohnes gemeinsam mit der Grundschule Hamm und dem HIBA e.V. weiter zugehen. Im Sommer 2006 wurde Daniel eingeschult. Zur Bewältigung seines Schulalltages erhält Daniel auch hier die Unterstützung durch einen Integrationshelfer des HIBA. Er hilft ihm, größtmögliche Selbstständigkeit im Sinne von „So viel Hilfe wie nötig, so wenig Hilfe wie möglich.“ zu erlangen.

Die Grundschule Hamm verfügt als Schwerpunktschule über große Erfahrungen im integrativen Unterricht. Mit der Aufnahme von Daniel betrat man jedoch Neuland. Bisher wurde noch kein Kind mit Down-Syndrom unterrichtet. Es bestand sofort die Bereitschaft, sich dieser Herausforderung zu stellen. Nach vielfältigen Kontakten mit Eltern, Kindergarten, dem HIBA und einer intensiven Beschäftigung im Umgang mit Kindern mit Trisomie 21 wurde Daniel aufgenommen.
Mit Hilfe seines Integrationshelfers lernte Daniel sehr schnell, sich in dem großen Schulhaus selbständig und zielsicher zu orientieren. So ließen erste Erfolge auch nicht lange auf sich warten: Daniel kann nun selbständig Treppen steigen, ist deutlich selbstbewusster und freier von Angst geworden. Freundlich begrüßt er alle Bekannten in der Schule und gibt bereitwillig Auskunft auf Ihre Fragen. Seine sprachlichen Fähigkeiten entwickeln sich erkennbar weiter und Daniel kann sich immer mehr verständlich für seine Mitmenschen ausdrücken. Seine Mitschüler haben ihn akzeptiert und machen viele lehrreiche Erfahrungen im Umgang mit ihrem beeinträchtigten Klassenkameraden.
Besondere Freude hat Daniel im Unterricht beim gemeinsamen Arbeiten in der Klasse. So zählen Sport, Malen und Musik zu seinen Lieblingsfächern. Aber auch Zahlen und Buchstaben kann Daniel sich gut merken und angemessen einsetzen. Natürlich gibt es auch Tage, an denen Daniels Tagesform nicht so gut ist. Dann ist die einfühlsame Betreuung durch den Integrationshelfer des HIBA besonders wertvoll.

Foto: Projektunterricht
Echter Teamgeist: Daniel (Mitte) bei der gemeinsamen Arbeit im Projektunterricht. Lernziele werden individuell an seine Fähigkeiten angepasst.

Integrative Schulen sind in Deutschland immer noch die Ausnahme. Doch nur eine gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung gewährleistet, dass Verschiedenheit als Bereicherung erfahren wird. Integration ist hierbei Weg und Ziel zugleich.
Der integrative Fachdienst des HIBA berät und unterstützt Eltern, Kindergärten und Schulen seit über 10 Jahren bei der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen.

 

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