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Viel für den Alltag mitgenommen

50 zufriedene Teilnehmer bei Tagung zu Leichter Sprache

Referenten der Tagung Leichte Sprache

Leichte Sprache ist ein Thema, das vielen Menschen unserer Gesellschaft das Leben leichter machen würde. Deshalb freuten sich die 50 Teilnehmenden der Tagung »Behinderte Sprache oder behindert Sprache?« in der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen:
Die Verwaltungsmitarbeiter, Pädagogen, Kirchenvertreter, Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung und Medienschaffenden, die zum Teil aus Tübingen und Bielefeld kamen, dass sie aus den fundierten Vorträgen und impulsgebenden Workshops viel für den eigenen Berufsalltag mitnehmen konnten.

Christiane Link

Menschen, die wenig lesen und schreiben können, Senioren, Einwanderer und Gehörlose, aber auch alle anderen profitieren von einfacher Sprache, machte Christiane Link deutlich. Das sei auch in Deutschland nicht anders. Die Journalistin aus London hatte in der Logoredaktion des ZDF das Zuschauertelefon betreut. »90 Prozent der Anrufer waren Erwachsene, die Fragen hatten«, berichtete sie. »Einfache Sprache erreicht viele Menschen«, so Link.

In Großbritannien leben behinderte Menschen selbstverständlich in der Gesellschaft, erfuhren die Zuhörer. So würde auch über sie berichtet. Anders in Deutschland: Menschen mit Behinderung seien in der Medienberichterstattung oft arme, unselbstständige Wesen. Es werde sogar die journalistische Grundregel, dass bei Porträts der Porträtierte zu Wort kommen muss, außer Kraft gesetzt und nur mit den Eltern oder Betreuern gesprochen. »Ich sage immer: Wir sind nicht behindert, wir werden behindert.«, bekräftigte Michael Schuller vom Werkstattrat der Lebenshilfe. »Berührungsängste schaffen Barrieren. Dabei verändert es Menschen, wenn sie Kontakt zu behinderten Menschen haben«, schloss Link.

Redakteur Martin Weser

Wie sehr, zeigte die Lesung von Martin Weser. Er ist Redakteur des Ohrenkusses in Bonn. Der Journalist aus dem Westerwald berührte mit persönlichen und literarischen Texten über sein Heimatdorf, den Lauf der Phantasie und einer Packliste für die Reise auf eine einsame Insel die Zuhörenden.

Katja de Braganca vom Ohrenkuss

Ohrenkuss-Chefredakteurin Katja de Bragança stellte die unabhängige Zeitung aus Bonn vor. Vor 15 Jahren gegründet, wird die komplette Zeitung von Menschen mit Dorwn-Syndrom gemacht. Finanziert wird der Ohrenkuss von Abonnenten aus ganz Deutschland und dem Ausland. Nun gibt es die Zeitung auch in Englisch. Spanisch und Japanisch sollen folgen. »Wir wollen die Welt erobern«, so de Bragança.

Peter Schmallenbach

Für sich selbst und ihre Kollegen in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung treten die Mitglieder des Werkstattrats der Lebenshilfe ein. Peter Schmallenbach, erster Vorsitzender, stellte die Interessenvertretung vor. Sie gehen auf Wünsche der Mitarbeiter ein, sorgen für Anschaffungen und vermitteln bei Problemen, so Schmallenbach. Dabei arbeitet der Werkstattrat eng mit der Werkstattleitung, dem Eltern- und Betreuerbeirat sowie dem Betriebsrat zusammen. »Wir organisieren und vertreten uns selbst, von Mitarbeitern für Mitarbeiter«, so der erste Vorsitzende.

Gisela Holtz

»Leichte Sprache ist keine Kindersprache«, machte Referentin Gisela Holtz, Vorstandsmitglied vom Netzwerk Leichte Sprache, klar. Damit werden vor allem Erwachsene angesprochen, die Lernschwierigkeiten oder Demenz haben, nicht so gut Deutsch sprechen oder nicht so gut lesen können. Letztendlich profitieren aber alle davon. Denn juristische und geschäftliche Schreiben oder Anträge von Behörden zum Beispiel sind oft sehr unverständlich formuliert. Hier würde Leichte Sprache Fehler vermeiden helfen und Barrieren abbauen.

Für Leichte Sprache gibt es klare Regeln: Kurze Sätze, einfache und kurze Wörter, aktive und positive Sprache und kontrastreiche Schrift ohne Schnörkel sind dabei wichtige Punkte. Das übten Teilnehmende in dem Workshop von Gisela Holtz am Nachmittag. So tun, als ob sie Down-Syndrom hätten und deshalb für den Ohrenkuss schreiben durften Interessierte zusammen mit Martin Weser und Katja de Brangança. Einen Aufmacher in einfacher Sprache über die Veranstaltung verfasste Christiane Link mit ihrer Gruppe. Einen besonderes Thema hatte Mitorganisator Hans-Jürgen Volk vom Evangelischen Kirchenkreis in Altenkirchen: Der Eichelhardter Pfarrer bereitete gemeinsam mit Interessierten einen »Gottesdienst für alle« vor, wie sie regelmäßig in seiner Kirche in Eichelhardt gefeiert werden.

Mit der Tagung setzten die Veranstalter ihre Reihe zum Thema Inklusion fort. Dem Organisatorenteam Anke Kreutz von der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen, Christof Weller vom HIBA in Wissen, Hans-Jürgen Volk vom Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen und Maja Wagener von Formwerk5 aus Kroppach war es wichtig, den Teilnehmenden konkrete Ergebnisse mit nach Hause zu geben. Das gelang – die Teilnehmer waren zufrieden und lobten daneben die freundliche Atmosphäre in der Landjugendakademie.

Hinweis: Mit der nächsten Veranstaltung stellen HIBA, Evangelischer Kirchenkreis und Evangelische Landjugendakademie den Weißen Ring vor. Dann erklärt Dieter Lichtenthäler vom Weißen Ring, welche Opferhilfen es für Menschen mit Behinderung gibt. Der Weiße Ring kümmert sich um Opfer von Straftaten und Gewalt. Termin ist Dienstag, 7. Oktober 2014 um 19 Uhr im Kuppelsaal der Verbandsgemeinde Wissen in Wissen.


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