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Weißer Ring ist für alle da

Infoabend des HIBA zeigte konkrete Unterstützung

Menschen mit Behinderung werden ebenso Opfer von Gewalttaten wie alle anderen. Und ebenso wie allen anderen kann der Weiße Ring auch behinderten Menschen nach der Tat helfen — mit Geld, Begleitung und Beratung durch einen Fachanwalt oder einen Therapeuten. Wie das ganz genau aussieht, erklärte Dieter Lichtenthäler, der Außenstellenleiter des Weißen Rings für den Kreis Altenkirchen.

»Mit unserem Beratungsscheck können Sie sich kostenlos von einem Fachanwalt für Strafrecht beraten lassen. Dazu brauchen Sie keine Rechtschutzversicherung«, erklärte Dieter Lichtenthäler aus Betzdorf. Er arbeitet ehrenamtlich für den Weißen Ring und ist für den Kreis Altenkirchen zuständig. Beim jüngsten HIBA-Informationsabend im Gebäude der Westerwaldbank in Wissen stellte er seine Organisation vor und zeigte, welche Hilfen Opfer von Gewalt- und anderen Straftaten vom Weißen Ring erhalten.

Bevor der Abend jedoch beginnen konnte, wechselten Veranstalter und Gäste den Raum. Den Kuppelsaal im obersten Stockwerk des Gebäudes in der Rathausstraße in Wissen konnten Menschen im Rollstuhl nicht erreichen: Tagsüber war der Aufzug kaputt gegangen. Doch Anke Denker von der Westerwaldbank sorgte schnell für eine gute Lösung und bot an, den Sozialraum der Bank im Erdgeschoss zu nutzen. So konnten die Besucher des Abends nach der Begrüßung durch Christof Weller, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des HIBA, den interessanten Ausführungen von Dieter Lichtenthäler folgen. Unterfüttert und ergänzt wurden die Fakten von Wolf Hinrich Apel, Außenstellenleiter in Koblenz, der unter den Zuhörern saß. Seine Frau Vera Apel-Jösch, die seit Jahren die WeKISS in Westerburg leitet, übernahm als Dolmetscherin die Übersetzung des Vortrags in Leichte Sprache.

1976 als Verein für Opferhilfe von »Aktenzeichen XY … ungelöst«-Erfinder und Moderator Eduard Zimmermann gegründet, stehen heute mehr als 3000 Helfer des Weissen Rings in ganz Deutschland Kriminalitätsopfern zur Seite. 800.000 Gewaltopfer gebe es jährlich in Deutschland, berichtete Dieter Lichtenthäler. Neben sexueller Gewalt an Erwachsenen und Kindern, die ein Drittel der Gewalttaten ausmachen, Tötungen und Körperverletzung kümmere sich der Weisse Ring auch um Stalkingopfer. »Besonders das Cybermobbing nimmt zu«, so Lichtenthäler. In Zusammenarbeit mit der Polizei veranstaltet er deshalb verstärkt Vorträge und Workshops an Schulen.

Der Weiße Ring helfe schnell und konkret, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, Staatsangehörigkeit und politischer Überzeugung — und unabhängig von einer Strafanzeige, erklärte der Betzdorfer weiter. So erhalten Opfer Beratungsschecks über 150 Euro, mit denen sie sich anwaltlich beraten lassen können. Fachanwälte für Strafrecht habe der Weisse Ring in seinem Netzwerk, bemerkte Lichtenthäler. Dafür sei keine Rechtschutzversicherung nötig, machte er deutlich. Zudem könne, wenn der Fall vor Gericht gebracht werde, Prozesskostenbeihilfe beantragt werden. »Das ist besonders für behinderte Menschen ganz wichtig, denn oft haben sie keine Rechtschutzversicherung.«, ergänzte Christof Weller.

Neben dem Anwaltscheck stellt der Weisse Ring Kriminalitätsopfern auch einen Hilfescheck für eine psychotraumatologische Erstberatung oder eine von einer Polizeianzeige unabhängige rechtsmedizinische Untersuchung über 150 Euro aus.

Dieter Lichtenthäler ist unter Telefon: 02741 935216 oder per E-Mail unter dieter.lichtenthaeler@t-online.de zu erreichen.

Weitere Informationen und Hilfemöglichkeiten finden Sie auch auf der Website des Weißen Rings.


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